Das ist ein seltenes Phänomen: Ein literarisches Wort aus einer vergleichsweise kleinen Sprache wird zum globalen Begriff für eines der zentralen Bilder der technischen Moderne. Bemerkenswert ist auch, dass robot nicht nur als Fachwort wanderte. Es brachte einen kulturellen Schatten mit: die Vorstellung, dass menschliche Arbeit ersetzt, organisiert, automatisiert und vielleicht entmenschlicht werden kann. Deshalb ist es nicht nur eine sprachliche Entlehnung, sondern eine kleine Kapsel des tschechischen 20. Jahrhunderts, die in den Wortschatz der ganzen Welt eingegangen ist. [1] [2]
Bier, Tanz und Gebäck: Tschechisch im Alltag
Nicht alle tschechischen Wörter, die weltweit bekannt wurden, haben den dramatischen Klang von robot. Manche sind deutlich geselliger. Pilsner oder Pilsener ist ein perfektes Beispiel: Der Begriff bezeichnet einen hellen, untergärigen Bierstil, der 1842 in Plzeň, deutsch Pilsen, entstand. Heute stehen "Pils", "Pilsner" oder "Pilsener" auf Bieretiketten in Europa, Amerika und Asien; viele, die dieses Bier trinken, denken dabei nicht mehr an die böhmische Stadt, doch der geografische Ursprung bleibt im Wort verborgen.
Ein ähnlicher, etymologisch jedoch stärker umstrittener Fall ist Polka. Der Tanz verbreitete sich im 19. Jahrhundert von Böhmen aus nach Europa und später nach Amerika; einige Quellen verbinden den Namen mit dem tschechischen půlka, "Hälfte" oder "Halbschritt", andere mit Polka, also "polnische Frau". In jedem Fall wurde der Begriff durch Musik, Volkstanz und städtische Kultur des 19. Jahrhunderts international.
Häuslicher, aber in den Vereinigten Staaten sehr sichtbar, ist kolache oder kolacky, vom tschechischen koláč, einem runden Gebäck, das mit der slawischen Wurzel kolo, "Rad" oder "Kreis", verbunden ist. In Texas und im amerikanischen Mittleren Westen sind Kolaches Teil der lokalen Esskultur tschechischer Gemeinden und ihrer Nachkommen geworden. Hier reist Sprache über den Geschmack: nicht über Universitäten und Wörterbücher, sondern über Bäckereien, Dorffeste, Familienküchen und Rezepte, die mit den Menschen ausgewandert sind. [3] [4] [5] [6] [7]
Waffen, Technik und Wörter aus schweren Zeiten
Es gibt außerdem eine weniger angenehme, aber sprachlich wichtige Gruppe: Wörter, die über Krieg, Militärtechnik oder Industrie in internationale Sprachen gelangten. Das englische howitzer, deutsch "Haubitze", wird auf das tschechische houfnice zurückgeführt, ein Wort aus dem Umfeld der Artillerie und der militärischen Tradition Mitteleuropas. Über das Deutsche und Niederländische gelangte es ins Englische und wurde dort zu einem festen technischen Begriff. Auch pistol wird häufig mit dem tschechischen píšťala verbunden, wörtlich "Pfeife" oder "Flöte", aber auch als Bezeichnung für eine Feuerwaffe der hussitischen Zeit; hier ist allerdings Vorsicht geboten, weil die Etymologie über Französisch und Deutsch lief und nicht alle Rekonstruktionen denselben Grad an Sicherheit haben.
Der modernste Fall ist Semtex, der Handelsname eines in der Tschechoslowakei hergestellten Plastiksprengstoffs, verbunden mit dem Gebiet Semtín bei Pardubice. Anders als robot oder pilsner ist Semtex kein "schönes" Exportwort: Es wurde aus schwerwiegenden historischen und politischen Gründen bekannt, die mit dem Kalten Krieg, der Sicherheit und dem Terrorismus zusammenhängen. Gerade deshalb zeigt es etwas Wichtiges: Wörter reisen auch dann, wenn uns ihr Inhalt nicht gefällt. Sie können als technische Namen, Marken, Abkürzungen oder journalistische Begriffe in Sprachen eingehen. Eine Entlehnung ist nicht immer ein positives Denkmal; manchmal ist sie nur die kalte, konkrete Spur eines Produkts oder einer Technologie, die internationale Wirkung hatte. [8] [9] [10] [11]
Der "Dollar" und Böhmen: kein tschechisches Wort, aber fast eine tschechische Geschichte
Der Fall dollar verdient eine eigene Kategorie. Es wäre zu einfach und nicht ganz korrekt zu sagen, "dollar" sei ein tschechisches Wort, denn die sprachliche Kette läuft vor allem über das deutsche Joachimsthaler, später verkürzt zu Thaler. Der Ursprungsort ist jedoch entscheidend: Jáchymov in Böhmen, eine Bergbaustadt, die für die seit dem 16. Jahrhundert geprägten Silbermünzen berühmt wurde. Im Tschechischen hießen diese Münzen tolar, eine Form, die neben der deutschsprachigen Welt jener Zeit bestand. Aus Thaler entstanden später Münz- und Währungsnamen in mehreren Sprachen, bis hin zum englischen dollar.
Hier haben wir also kein "reines" tschechisches Wort, das direkt in die Welt hinausgeht, sondern eine böhmische Geschichte, die durch Reiche, Bergwerke, Handel, Verwaltungssprachen und Geldumlauf führt. Das Beispiel ist wertvoll, weil es zur Vorsicht zwingt. Wörter reisen nicht immer geradlinig: Oft durchqueren sie zweisprachige Regionen, Vielvölkerstaaten, ungenaue Übersetzungen, lokale Aussprachen und den praktischen Gebrauch im Handel. Das historische Böhmen war kein isoliertes Sprachlabor, sondern ein Schnittpunkt von Tschechisch, Deutsch, Verwaltungslatein, Bergbaukultur und europäischen Handelsnetzen. Deshalb ist der "Dollar" kein tschechisches Wort wie robot, aber dennoch eine der stärksten Spuren, die ein böhmischer Ort in der Sprache der Weltwirtschaft hinterlassen hat. [12]
Direkte Entlehnungen, Umwege und verborgene Erinnerung in Wörtern
Legt man diese Beispiele nebeneinander, entsteht eine kleine sprachliche Landkarte. Manche Wörter sind direkte oder fast direkte Entlehnungen, etwa robot aus robota oder kolache aus koláč. Andere sind Ortsnamen, die zu allgemeinen Kategorien wurden, wie pilsner, das von Plzeň aus zu einem Bierstil wurde. Wieder andere sind technische Wörter, die mehrere Sprachen durchlaufen haben, etwa howitzer und vielleicht pistol. Dazu kommen indirekte Fälle wie dollar, bei denen Böhmen den Ort und die Geschichte liefert, die internationale Form aber über das Deutsche geht.
Besonders auffällig ist die Vielfalt der Bereiche: Theater und Technik, Bier, Musik, Gebäck, Waffen, Sprengstoffe, Geld. Es gibt also nicht den einen "tschechischen Weg" in den Weltwortschatz. Manchmal schafft die Kunst ein Wort, manchmal die Industrie, manchmal die Auswanderung, manchmal eine Stadt und manchmal ein Produkt. Und oft verliert ein erfolgreiches Wort seinen Pass: Wer robot sagt, denkt nicht an Čapek; wer ein pilsner bestellt, denkt nicht immer an Plzeň; wer in Texas ein kolache isst, kann vielleicht koláč nicht einmal aussprechen. Aber Sprache funktioniert eben auch so: Sie bewahrt Erinnerungen, die der alltägliche Gebrauch nicht mehr erklärt. Hält man kurz inne, öffnet sich in scheinbar gewöhnlichen Wörtern eine kleine tschechische Geschichte. [1] [5] [8] [12]
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